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Menschenrechte | Nicht nur heute

Uganda | Menschenrechte Fehlanzeige © Tom Rübenach

Jeder Tag ist ein Tag für die Menschenrechte. Nicht nur der 10. Dezember, so wie heute. Das gilt für den Jungen auf dem Titelbild aus Uganda. Und auch für Shawkan Zeid, den Fotografen aus Ägypten. Er sitzt seit über drei Jahren im Gefängnis. Die meisten Opfer von Menschenrechtsverletzungen haben keine Namen. Jedenfalls kennen wir sie selten.

Menschenrechte: Namenlos bedeutet hoffnungslos

TS|BN 10. Dezember 2017 Was hat der Junge auf dem Titelbild dieses Beitrags zu suchen? Was hat das mit dem Internationalen Tag der Menschenrechte zu tun? Sehr viel, denn auch er ist ein Opfer der “Globalisierung der Gleichgültigkeit“. So hat es Papst Franziskus formuliert, als es um die ertrunkenen Bootsflüchtlinge vor Lampedusa ging. Diese Ignoranz führt dazu, daß es nach wie vor Tausende von politischen Häftlingen gibt. Kaum jemand kennt ihre Namen, ihre angeblichen Verbrechen und nicht ihre Haftbedingungen.

Menschenrechte für Flüchtlinge auch im Sudan © Tom Rübenach

Flüchtlingslager im Sudan © Tom Rübenach

Der ugandische Junge im Titelbild steckt nicht im Knast. Dennoch kennt ihn niemand außerhalb seines Dorfes im Norden seines Landes. Das allein macht ihn zum Opfer. Denn niemand kennt seine ganz persönliche Armut. Und niemand seinen Verlust an Menschenrechten. Dennoch hat er Anspruch auf sie. Er hat beispielsweise das Recht auf soziale Sicherheit. So steht es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Die Vereinten Nationen haben sie beschlossen. In Uganda leben nur halb so viele Menschen wie in Deutschland, aber über 1,3 Millionen FlüchtlingeMenschenrechte, die wir für uns tagtäglich selbstverständlich einfordern, gelten auch für die Ugander. Kümmert uns das?

In Kairo führt Fotografieren in den Knast

Der Rabaa-Adawiya-Platz in Kairo hat eine grausame Geschichte. Sie wird mit dem Massaker der chinesischen Kommunisten verglichen. 1989 mordeten die KP-Soldaten Tausende auf dem “Platz des Himmlischen Friedens” in Peking, nur weil sie mehr Demokratie forderten. Das taten sie friedlich. (Anders übrigens als der sogenannte autonome Block von Hamburg beim G20-Gipfel im Sommer dieses Jahres.) Noch vor drei Jahren sperrten die, mit denen Deutschland ununterbrochen Geschäfte macht, den ganzen Platz hermetisch ab. Die Angst der Mächtigen wird dann immer spürbar.

Kämpfen für Menschenrechte: Pressefreiheit kann jede/r

Kämpfen für Pressefreiheit kann jede/r

Das war auch auf diesem Platz in Kairo so. Im August 2013 fotografierte auch Mahmoud Abu Zeid ein Protestlager der Muslimbrüder. Plötzlich schlug das Regime zu. Hunderte, wenn nicht Tausende wurden getötet. Journalisten wie Mahmoud Abu Zeid, den alle nur Shawkan Zeid nennen, wurden verhaftet. Internationale Journalisten ließen die Generäle wieder frei. Shawkan Zeid sitzt noch immer; im Tora-Gefängnis von Kairo. Er hat vor wenigen Wochen seinen 30. Geburtstag dort verbracht. Er sitzt nun im vierten Jahr. Selbst nach ägyptischem Recht hätte er nach spätestens zwei Jahren U-Haft freikommen müssen.

Engagement ist leicht, Gefängnis nicht

Über 58.000 Facebook-Abonennten. Fast viereinhalb Tausend Follower bei Twitter.  Solidaritätsbekundungen weltweit. Aber nichts hilft. Shawkan Zeid leidet an Hepatitis C. Er ist schwach. Von seiner Verhaftung hat er in einem Brief berichtet; er ist erschütternd. Er schließt mit den Worten:

Meine unabsehbare Inhaftierung ist psychologisch unerträglich. Nicht einmal Tiere würden unter diesen Bedingungen überleben.”

So wie die Leiden des Fotografen Shawkan sind auch die schwierigen Lebensbedingungen in afrikanischen Ländern unerträglich. Wir müssen den Menschenrechts-Begriff dehnen. Er bedeutet gewiss Pressefreiheit, Versammlungs- und Redefreiheit. Aber er bedeutet auch faire Verteilung von Krankenhäusern und Schulen. Ebenso gehört das Recht auf Nahrung und eine gute Bildung. Solange wir nicht bereit sind, auch unsere Rechte mit andern zu teilen, sind wir Heuchler. Wenigstens könnten wir – ganz bequem vom Computer aus – jede Woche Menschen unterstützen, die unschuldig im Knast sitzen. So einen wie Shawkan Zeid zum Beispiel.

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