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CSU | Seehofer rennt der AfD nach

Blatt auf Wasser © Tom Rübenach

Seehofer frohlockt vom „Ende der Willlkommenskultur“. Ein selbst ernannter „Berliner Kreis“ von Unionisten fordert „drastische Kurskorrekturen“ von Merkel. Und der CSU-Söder gibt der Kanzlerin die Schuld für die Erstarkung der AfD. Ach, Union!

TSBN | 11. Mai 2016 Um es vorwegzunehmen: Was die Christliche Union aus Bayern in den letzten Wochen veranstaltet, ist besorgniserregend. Sprache und Duktus, das ganze Gehabe und Gewerke sind dieser Partei nicht würdig. Denn es hat nichts mit christlich zu tun; im Gegenteil ist es oftmals das Gegenteil von allem, was man landläufig mit diesem Begriff assoziiert. Die CSU trägt das „C“ so plakativ vor sich her, das man darunter zusammenbrechen könnte. Noch stärker als die CDU betonen die Bayern, das „C“ sei für sie „Orientierung und Verpflichtung“. So steht es in deren Grundsatzprogramm. Steht also als Grundsatz dort; nicht in einem Wahlprogramm für ein paar Jahre. Aber ist es das wirklich (noch), oder sind die grinsenden Populisten aus München nicht längst zynische Taktierer geworden?

Gewiss sind nicht alle Christlich-Sozialen dem Populismus verfallen. Nicht jeder oder jede ist kopfüber in diesen Rettungsring gegen die AfD gesprungen. Nicht nur die Berliner Chefin der CSU-Landesgruppe ist so eine wohltuende Ausnahme. Gerda Hasselfeldt wird alles andere als geliebt vom CSU-Boss. Er hält sie noch aus, weil sie ja nicht wieder für den Deutschen Bundestag kandidieren will. Er ignoriert sie. Dafür macht sie, was sie für richtig hält. Hasselfeldt verkörpert die Maxime, das eine Partei aus sich heraus und durch ihre eigene Politik und Programmatik überzeugen muss. Nicht gegen die eigenen Leute brodeln, um das eigene Haus sauber zu halten – koste es, was es wolle. So wie es Seehofer und Söder betreiben. Ohne Rücksicht auf CDU-Verluste. Das ist verletzte Ehre, beleidigte Attitüde und gröbste Selbstüberschätzung. Deshalb wird auch mit der Ausweitung der Kampfzone ins übrige Bundesgebiet gedroht.

Trotz Seehofer, CSU und alledem

Burn Out Seehofer (c) Tom Ruebenach

CSU: Burn Out © Tom Rübenach

Denn es scheint den Granden der CSU mehr um sich, ihren Machterhalt und persönlichen Status zu gehen als um die Leute, um die sie sich zu kümmern haben. Eigentlich. Denn Kümmern bedeutet in diesen Monaten auch, den Leuten komplexe Dinge so zu erklären, dass diese es nachvollziehen können. Mitnichten ist das Nachplappern von sogenannten „Sorgen“ eine verantwortliche Tat. Und schon gar nicht in einer zutiefst demagogischen Sprache. Die „Willkommenskultur“ sei endgültig beendet, ließ sich der Pascha aus dem Münchener Schloss dieser Tage vernehmen. Er wird nicht mehr bemerken, dass er damit Abertausende ins Gesicht schlägt. Jenen Freiwilligen und Ehrenamtlern, die trotz vieler Widrigkeiten Flüchtlingen Tag für Tag helfen. Trotz CSU und alledem. Er bemerkt es deshalb nicht mehr, weil er längst Luft zwischen der Erde und sich selbst verspürt und meint, er sei der Größte.

Man muss nicht jenen folgen, die in diesen Bayern längst als eine „Christlich-Soziale Alternative für Deutschland“ bezeichnen, eine CSAfD. Böse Zungen gewiss; dennoch wird man den Eindruck nicht los, als habe sich in die Seehofersprache die selbe Angstmache eingenistet wie sie bisher nur von der AfD gehetzt wird.

Klartext von der UNO © UNHCR

Klartext von der UNO © UNHCR

Nun mag sich der besonders bei eigenen Witzen stakkatohaft zischende Mann sicher fühlen. Haben doch gerade 15 (in Worten: fünfzehn) Unionsleute einen sogenannten „Berliner Appell“ unterschrieben. Sie wollen die gute alte Union wiederhaben. Jene, die so schön konservativ war. Sie nennen das „wertkonservativ“. Das klingt wie ein wertkonservativer Schluckauf von Benachteiligten der eigenen Karrieren. Jener Leute, die ausgerechnet jetzt Merkel die vergangenen Jahre vorwerfen. Es sind genau die Jahre, in denen viele Unionsleute nur deshalb gewählt wurden, weil Merkel so populär war. Und nicht die Union.

Zuckungen als verspätete Reflexe auf Niederlagen

Die bayerischen Unionisten und ihre rückwärtsgewandten Genossen von der CDU arbeiten sich in Wahrheit nicht an der AfD ab. Ihre Zuckungen sind verspätete Reflexe auf mangelnde Courage in früheren Auseinandersetzungen – die sie verloren. Sie drücken es selbstredend anders aus. Sie meinen zwar vor allem ihre ganz persönliche Meinung. Sie tun dies allerdings im gleichen Duktus, in dem die AfD- und PEGIDA-Hasser „Wir sind das Volk!“ schreien: „Wir sind die (wahre) Partei!“.

CSU-Programm: christlich ©CSU-Homepage

CSU-Programm: christlich ©CSU-Homepage

All dies geschieht in einer Weise, die Zweifel an christlichem Verhalten nähren müssen. Dabei kehrt keine andere Partei das christliche Selbstverständnis gleichzeitig als Anspruch so hervor wie die CSU. Ist das christlich, Partner offen zu attackieren? Ist es ein Gebot, mit dem Ausritt nach ganz Deutschland zu drohen? Dabei lässt sich Seehofer als Bayer von vorne und von hinten auf der CSU-Homepage zitieren. Ist es mitfühlsam, von Flüchtlingen meist in der Konnotation von Problemen und Überforderungen zu sprechen? Bei kaum einem deutschen Politiker liegen Worte und Taten so weit auseinander, wenn es um das Christliche in unserem Land geht, wie bei Seehofer. Einen gelehrigen Schüler hat er herangezogen, den Söder. Der könnte den Seehofer gut beerben. Die nehmen sich beide nichts.

Als der sogenannte Freistaat 2013 seine Klage gegen den Länderfinanzausgleich vortrug, sprach der Söder, von allen historischen Geistern verlassen:
„Seit heute Morgen um 9 Uhr wird geklagt.“

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